Was ist PHA, und könnte es das nachhaltigste Material für den 3D-Druck sein?
Gibt es eigentlich ein Filament, das wirklich nachhaltig ist? Eines, das sich am Ende seiner Lebensdauer biologisch abbaut und nichts zurücklässt? Ich drucke seit einiger Zeit mit einem, das dem sehr nahekommt: PHA.
Veröffentlicht am 27. September 20268 Min. Lesezeit

Auf dieser Seite
- Warum braucht der 3D-Druck ein wirklich nachhaltiges Filament?
- Ist PLA biologisch abbaubar?
- Was ist PHA?
- Wie wird PHA hergestellt?
- Wo baut sich PHA biologisch ab, und wie lange dauert das?
- Wie druckt sich PHA?
- Wie stabil und hitzebeständig ist PHA?
- PHA vs. PLA: Was ist besser für den 3D-Druck?
- Ist PHA das nachhaltigste Material für den 3D-Druck?
- Diesen Lampenschirm herunterladen und selbst drucken
- Häufige Fragen zu PHA-Filament
Was ist PHA, und könnte es das nachhaltigste Material für den 3D-Druck sein?
Warum braucht der 3D-Druck ein wirklich nachhaltiges Filament?
Weil beim 3D-Druck mehr Abfall entsteht, als die meisten denken, und Recycling für kleine Maker schwierig ist.
Ich glaube, dass diese Art von Material für die 3D-Druck-Community unglaublich wichtig ist. Ein Grund: Um komplexe Objekte zu drucken, brauchen wir oft Stützstrukturen, und all dieses Material landet am Ende im Müll, genauso wie Brims, Testdrucke und Fehldrucke.
Viele beschäftigen sich mit Recycling: alte Drucke schreddern und daraus neues Filament extrudieren. Doch dieser Prozess steckt voller Herausforderungen und ist nicht so einfach, wie er klingt. Selbst wenn er funktioniert, erfordert er eine Investition, die für ein großes Studio vielleicht in Ordnung ist. Für einen kleinen Creator mit nur einem Drucker rechnet sich das oft nicht.
Deshalb interessiert mich PHA so sehr. Es ist zu 100 % biobasiert und in fast jeder natürlichen Umgebung biologisch abbaubar. Aber bevor wir tiefer einsteigen, werfen wir einen Blick auf das beliebteste Material in unserer Community: PLA.
Ist PLA biologisch abbaubar?
Nur bei industrieller Kompostierung.
PLA braucht die Wärme einer industriellen Kompostieranlage, etwa 50–65 °C, um sich innerhalb von Wochen zu zersetzen. Im Boden kann derselbe Prozess Jahre dauern, und Studien in Meerwasser haben wenig bis gar keinen Abbau festgestellt (Catarci Carteny & Blust, 2021).
PLA ist zwar biobasiert, aber nur in industriellen Kompostieranlagen wirklich biologisch abbaubar. Es gibt wenig Forschung, die belegt, dass es sich in der Natur schnell abbaut; wahrscheinlich bleibt es sehr lange in der Umwelt. Und in vielen Regionen fehlen ohnehin die Sammelsysteme oder die Infrastruktur zur Kompostierung, um es zu verarbeiten.
„Biobasiert“ sagt dir, woher ein Material kommt. „Biologisch abbaubar“ sagt dir, wo es am Ende seiner Lebensdauer landen kann. PLA ist Ersteres, aber nur zum Teil Letzteres.
Was ist PHA?
PHA steht für Polyhydroxyalkanoat, eine Familie natürlicher Polymere, die von Mikroorganismen gebildet werden.
Anders als herkömmliche Kunststoffe aus fossilen Rohstoffen entsteht PHA durch einen natürlichen Fermentationsprozess.
Ich halte PHA für ein weit besseres Material als PLA, sowohl bei den Eigenschaften als auch bei der Nachhaltigkeit. Warum, zeigt ein Blick darauf, wie es hergestellt wird.
Wie wird PHA hergestellt?
Bakterien stellen es her.
Hersteller füttern Mikroorganismen wie Bakterien mit natürlichen Zuckern und Ölen, und die Bakterien speichern PHA in ihren Zellen als Energiereserve. Das funktioniert fast wie „Bakterienfett“, so beschreibt es colorFabb. Dieses PHA wird anschließend extrahiert und zu Granulat und Filament verarbeitet.
Da PHA zu 100 % natürlich ist, handelt es sich um ein wirklich kreislauffähiges Material:
- Pflanzen liefern Zucker und Öle.
- Bakterien wandeln sie in PHA um und speichern es in ihren Zellen.
- Das PHA wird extrahiert und zu Filament verarbeitet.
- Wir drucken ein Produkt und nutzen es.
- Am Ende seiner Lebensdauer fressen Mikroorganismen das PHA wieder und bauen es zu CO₂ und Wasser ab.
- Pflanzen nehmen dieses CO₂ auf, und der Kreislauf beginnt von vorn.
Wo baut sich PHA biologisch ab, und wie lange dauert das?
PHA baut sich im Boden, in Süßwasser und im Meer biologisch ab.
Wenn du ein Produkt nicht mehr brauchst, können Mikroorganismen es wieder fressen und dabei zu CO₂, Wasser und Biomasse abbauen. Laut colorFabb geschieht das bei allPHA, ohne Mikroplastik zu hinterlassen.
Das passiert allerdings nicht über Nacht. Wie schnell es geht, hängt von der Dicke des Teils, der Temperatur, der Feuchtigkeit und der mikrobiellen Aktivität ab. Eine Metastudie zu Untersuchungen im Meer schätzte, dass eine Wasserflasche aus PHA dort 1,5 bis 3,5 Jahre braucht, bis sie vollständig biologisch abgebaut ist (Dilkes-Hoffman et al., 2019). Kaltes Wasser bremst den Abbau: In einem sechsmonatigen Test, der ein Meer der gemäßigten Breiten simulierte, zeigten PHA-Folien nur erste Verwitterungsspuren (Catarci Carteny & Blust, 2021).
Für mich ist das der eigentliche Vorteil: Wenn ein PHA-Teil in der Natur landet, kann es tatsächlich in die Natur zurückkehren. Das ist kein Freibrief, Drucke wegzuwerfen, aber im schlimmsten Fall steht es weit besser da als PLA.
Wie druckt sich PHA?
Schwieriger als PLA, aber gut machbar, sobald du seine Regeln kennst.
Diesen Lampenschirm habe ich mit allPHA von colorFabb gedruckt. Das Drucken ist nicht so einfach wie mit PLA. Das Material neigt während des Drucks zu Warping (Verzug), deshalb sind ein Brim und Kleber für eine gute Betthaftung notwendig.
Ein weiterer großer Unterschied: Du brauchst kein Heizbett. Ich stelle die Betttemperatur auf 0 °C, was einfach bedeutet, dass die Heizung ausgeschaltet bleibt. Das klingt seltsam, ist aber genau das, was PHA braucht: Eine beheizte Platte löst in den ersten Schichten Kristallisation aus, und das führt zu Warping. Netter Nebeneffekt: Ein kaltes Druckbett spart bei jedem Druck Energie.
Außerdem ist die Druckgeschwindigkeit viel niedriger als bei PLA. Um das auszugleichen, habe ich für diesen Lampenschirm eine 0,8-mm-Düse verwendet. Eine breitere Düse legt mit jeder Bahn mehr Material ab, sodass der Druck auch bei niedriger Geschwindigkeit schneller fertig ist.
Empfohlene Druckeinstellungen für PHA
| Einstellung | Startwert | Hinweise |
|---|---|---|
| Düsentemperatur | 190–200 °C | In der Mitte des Bereichs starten und an dein Hotend anpassen |
| Betttemperatur | Kalt, Heizung aus | Ein beheiztes Bett löst Kristallisation aus, und die ersten Schichten verziehen sich |
| Betthaftung | Haftmittel (3DLac-Spray oder verdünnter Holzleim) und ein Brim | colorFabb nutzt etwa 20 Brim-Linien, damit sich die Ecken nicht lösen |
| Bauteillüfter | 100 %, ab Schicht 2 oder 3 | Schnelle Wärmeabfuhr hält die Kristallisation unter Kontrolle |
| Druckgeschwindigkeit | 40–80 mm/s | Viel langsamer als PLA; eine 0,8-mm-Düse hilft, die Zeit wieder aufzuholen |
| Retraction (Rückzug) | Etwas geringer als bei PLA | Kleine Lücken in der Außenwand bedeuten, dass die Retraction zu hoch ist |
| Trocknen | Nicht nötig | PHA nimmt nicht viel Wasser auf |
Düsentemperatur
- Startwert
- 190–200 °C
- Hinweise
- In der Mitte des Bereichs starten und an dein Hotend anpassen
Betttemperatur
- Startwert
- Kalt, Heizung aus
- Hinweise
- Ein beheiztes Bett löst Kristallisation aus, und die ersten Schichten verziehen sich
Betthaftung
- Startwert
- Haftmittel (3DLac-Spray oder verdünnter Holzleim) und ein Brim
- Hinweise
- colorFabb nutzt etwa 20 Brim-Linien, damit sich die Ecken nicht lösen
Bauteillüfter
- Startwert
- 100 %, ab Schicht 2 oder 3
- Hinweise
- Schnelle Wärmeabfuhr hält die Kristallisation unter Kontrolle
Druckgeschwindigkeit
- Startwert
- 40–80 mm/s
- Hinweise
- Viel langsamer als PLA; eine 0,8-mm-Düse hilft, die Zeit wieder aufzuholen
Retraction (Rückzug)
- Startwert
- Etwas geringer als bei PLA
- Hinweise
- Kleine Lücken in der Außenwand bedeuten, dass die Retraction zu hoch ist
Trocknen
- Startwert
- Nicht nötig
- Hinweise
- PHA nimmt nicht viel Wasser auf
Startwerte aus den allPHA-Druckeinstellungen und dem technischen Datenblatt von colorFabb. Stimm sie fein auf deinen Drucker ab.
Wie stabil und hitzebeständig ist PHA?
Sehr zäh und auch über 120 °C noch formstabil.

Auch wenn der Druck etwas knifflig ist, sehe ich in diesem Material großes Potenzial. Es ist sehr zäh und hält Temperaturen von über 120 °C stand, ohne sich zu verformen. Das Datenblatt von colorFabb nennt für allPHA eine Wärmeformbeständigkeit (HDT) von 153 °C, und der Hersteller berichtet von einer hervorragenden Schichthaftung.
Bei Lampen macht das einen großen Unterschied. PLA beginnt bei etwa 44–60 °C zu erweichen, daher bietet dir PHA in der Nähe einer Lichtquelle deutlich mehr Spielraum. Egal, mit welchem Material du druckst: Verwende ein LED-Leuchtmittel, denn es wird viel weniger heiß als Halogen- oder Glühlampen.
PHA vs. PLA: Was ist besser für den 3D-Druck?
PLA lässt sich einfacher und schneller drucken. PHA ist die nachhaltigere Wahl und verträgt Hitze deutlich besser.
| Eigenschaft | PHA (colorFabb allPHA) | PLA |
|---|---|---|
| Rohstoff | Zucker und Öle, von Bakterien fermentiert; zu 100 % biobasiert | Fermentierter Pflanzenzucker, etwa aus Mais; biobasiert |
| Wo es sich abbaut | Im Boden, in Süßwasser und im Meer | Nur in industriellen Kompostieranlagen, bei etwa 50–65 °C |
| Abbaudauer | Monate bis wenige Jahre; etwa 1,5–3,5 Jahre für eine Flasche im Meer | Wochen in industriellem Kompost; Jahre oder länger in der Natur |
| Hitzebeständigkeit | Formstabil über 120 °C (HDT 153 °C) | Wird bei etwa 44–60 °C weich |
| Druckbett | Kalt, Heizung aus | Beheizt |
| Druckgeschwindigkeit | 40–80 mm/s | Auf modernen Druckern viel schneller |
| Druckbarkeit | Schwieriger: verzieht sich, braucht Kleber und einen Brim | Einfach und gutmütig |
Rohstoff
- PHA (colorFabb allPHA)
- Zucker und Öle, von Bakterien fermentiert; zu 100 % biobasiert
- PLA
- Fermentierter Pflanzenzucker, etwa aus Mais; biobasiert
Wo es sich abbaut
- PHA (colorFabb allPHA)
- Im Boden, in Süßwasser und im Meer
- PLA
- Nur in industriellen Kompostieranlagen, bei etwa 50–65 °C
Abbaudauer
- PHA (colorFabb allPHA)
- Monate bis wenige Jahre; etwa 1,5–3,5 Jahre für eine Flasche im Meer
- PLA
- Wochen in industriellem Kompost; Jahre oder länger in der Natur
Hitzebeständigkeit
- PHA (colorFabb allPHA)
- Formstabil über 120 °C (HDT 153 °C)
- PLA
- Wird bei etwa 44–60 °C weich
Druckbett
- PHA (colorFabb allPHA)
- Kalt, Heizung aus
- PLA
- Beheizt
Druckgeschwindigkeit
- PHA (colorFabb allPHA)
- 40–80 mm/s
- PLA
- Auf modernen Druckern viel schneller
Druckbarkeit
- PHA (colorFabb allPHA)
- Schwieriger: verzieht sich, braucht Kleber und einen Brim
- PLA
- Einfach und gutmütig
Ist PHA das nachhaltigste Material für den 3D-Druck?
Von allen Filamenten, mit denen ich gearbeitet habe, kommt PHA einem wirklich nachhaltigen am nächsten.
Es ist zu 100 % biobasiert und kann sich, anders als PLA, im Boden, in Süßwasser und im Meer abbauen.
Die Nachteile sind nicht zu leugnen. Es druckt sich langsamer und ist zickiger, und die Herstellung ist teurer als bei PLA (Catarci Carteny & Blust, 2021). Aber für ein Stück wie eine Lampe, die du einmal druckst und dann jahrelang behältst, lohnt sich dieser Kompromiss meiner Meinung nach.
Diesen Lampenschirm herunterladen und selbst drucken
Wenn du diese Lampe 3D-drucken möchtest, bekommst du die Dateien auf e-leora.com. Jedes Design der Leora-Bibliothek gibt es als STL-, OBJ- und 3MF-Datei. Die 3MF-Projekte lassen sich direkt in Bambu Studio und OrcaSlicer öffnen, und zu jedem Modell gibt es eine ausführliche Druckanleitung. Optional gibt es auch eine kommerzielle Lizenz, mit der du deine Lampen drucken und verkaufen darfst (Lizenzen ansehen).
Erzähl mir, was du von PHA hältst und was du sonst noch über den 3D-Druck lernen möchtest! Hinterlass einen Kommentar unter dem Video oder schreib uns eine Nachricht.
Häufige Fragen zu PHA-Filament
Wofür steht PHA?
PHA steht für Polyhydroxyalkanoat, eine Familie natürlicher Polymere. Bakterien bilden PHA aus Zucker und Ölen und speichern es als Energiereserve in ihren Zellen, ähnlich wie Fett.
Ist PHA-Filament wirklich biologisch abbaubar?
Ja. PHA baut sich im Boden, in Süßwasser und in Meerwasser biologisch ab, wo Mikroorganismen es zu CO₂, Wasser und Biomasse zersetzen. Wie schnell das geht, hängt von der Dicke des Teils, der Temperatur, der Feuchtigkeit und den Mikroben ab und reicht von Monaten bis zu wenigen Jahren.
Ist PLA biologisch abbaubar?
Nur in industriellen Kompostieranlagen bei etwa 50–65 °C. Im Boden kann es Jahre dauern, bis sich PLA zersetzt, und Studien in Meerwasser haben wenig bis gar keinen Abbau festgestellt.
Ist PHA schwieriger zu drucken als PLA?
Ja. PHA neigt zu Warping und braucht daher ein kaltes Druckbett, Kleber, einen Brim, volle Bauteilkühlung und niedrigere Geschwindigkeiten von etwa 40–80 mm/s. Eine größere Düse, zum Beispiel 0,8 mm, hilft, die geringere Geschwindigkeit auszugleichen.
Braucht PHA-Filament ein Heizbett?
Nein. Drucke PHA auf einem kalten Druckbett mit ausgeschalteter Heizung, was in den meisten Slicern 0 °C entspricht. Ein beheiztes Bett löst in den ersten Schichten Kristallisation aus, und das führt zu Warping.
Wie hitzebeständig ist PHA-Filament?
Das allPHA von colorFabb bleibt auch über 120 °C formstabil und hat eine Wärmeformbeständigkeit (HDT) von 153 °C. PLA beginnt bei etwa 44–60 °C weich zu werden.
Muss ich PHA-Filament vor dem Drucken trocknen?
Laut colorFabb nicht. PHA nimmt nicht viel Wasser auf, deshalb muss allPHA vor dem Drucken nicht getrocknet werden.
Darf ich Lampen verkaufen, die ich mit Leora-Dateien drucke?
Ja, mit der kommerziellen Lizenz von Leora, die das Drucken und den Verkauf von Lampen weltweit abdeckt. Die persönliche Lizenz deckt das Drucken für dein Zuhause, dein Studio oder als Geschenk ab.
Quellen
- colorFabb, allPHA technical data sheet (v1.0, 2022)
- colorFabb Help Center, What other print settings are key to printing allPHA?
- colorFabb Help Center, Is allPHA resistant to high temperatures?
- colorFabb Help Center, Do I need to dry allPHA before printing?
- colorFabb, allPHA Natural product page
- Dilkes-Hoffman, L. S., et al. (2019). The rate of biodegradation of PHA bioplastics in the marine environment: A meta-study. Marine Pollution Bulletin, 142, 15–24.
- Catarci Carteny, C., & Blust, R. (2021). Not Only Diamonds Are Forever: Degradation of Plastic Films in a Simulated Marine Environment. Frontiers in Environmental Science, 9.
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